KI-Agenten im Unternehmen

Shownotes

  • Was ist ein KI-Agent? Ein Agent läuft kontinuierlich im Hintergrund, erstellt selbstständig Pläne und führt sie aus - anders als klassische Chat-KI, die auf Prompts wartet. Cowork (Claude) und Microsoft Copilot agentic sind heute nutzbare Beispiele.
  • OpenClaw im Unternehmenseinsatz: Interessante Technologie, aber zu früh für breiten Rollout. Open Source, noch experimentell, schwierige Kontrollierbarkeit - und mit Zugriff auf E-Mail und Dateien wurde in Testberichten auch schon versehentlich produktive Daten gelöscht.
  • Vibe Coding und die Patientendaten-Story: Ein Arzt schrieb ohne technischen Hintergrund mit KI ein Patientenverwaltungssystem. Ergebnis: alle Patientendaten ungeschützt in einer HTML-Datei. Zugriff auf KI-Tools ohne fachliche Kompetenz ist ein Sicherheitsrisiko.
  • Shadow KI - das neue Shadow IT: Mitarbeitende abonnieren gratis KI-Tools ohne IT-Wissen. Lösung: klare Richtlinien, ein genehmigtes Unternehmens-Tool, Schulung.
  • Empfehlung für KMU: Im Microsoft-Ökosystem -> Copilot evaluieren (oft in bestehenden Lizenzen enthalten). Für agentenbasierte Aufgaben -> Cowork-ähnliche Lösungen mit definierten Skills und Berechtigungen. OpenClaw: nur für Experten, nicht mit sensiblen Daten.

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Mr. CISO und Mr. AI im Gespräch. Der Podcast für sichere und zuverlässige Digitalisierung.

OpenClaw - das ist heute unser Thema. Beziehungsweise: Es geht heute eigentlich nicht nur um OpenClaw. Tobias, ich habe dir gesagt: Das ist gerade ein riesiges Thema. Komm, wir machen doch eine Folge "OpenClaw für KMU". Was hältst du davon, was ist deine Meinung dazu?

OpenClaw - das haben sicher alle schon mal gehört. Es steht für eine neue Art, wie KI mit Menschen interagiert. Kannst du erklären, was OpenClaw ist und was da die grosse Veränderung ist?

Die Idee von OpenClaw und dieser neuen Art von KI-Applikationen ist: eine Applikation, die eigentlich die ganze Zeit läuft, im Hintergrund, und immer etwas macht. Sie wartet auf Inputs von uns - und wenn sie keine hat, schaut sie selber, was sie tun soll, und beschäftigt sich auch selbst. Man kann ihr Aufgaben geben, die sie im Hintergrund erledigt. Man kann regelmässig per Chat mit ihr interagieren, sie ist eigentlich immer erreichbar und die ganze Zeit aktiv.

Im Gegensatz dazu die klassische Chat-Applikation: Ich schicke eine Anfrage, einen Befehl, einen Prompt hin und bekomme eine Antwort. Vielleicht wird im Hintergrund noch etwas ausgeführt, aber irgendwann ist das fertig und dann läuft nichts mehr.

Was würdest du zum Einsatz von OpenClaw im KMU sagen? Ist das etwas, das man machen kann, oder eher Hobby-Bastler-Liga, das man mal ausprobieren kann?

Ich finde es eine spannende Idee und sicher ein gutes Ding, das Einsatzmöglichkeiten hat - gerade wenn man Hintergrundaufgaben hat, Sachen, die man delegieren möchte. Aber wenn ich die Nachrichten mitverfolgt habe: Am Anfang ist das nicht unbedingt sicher, einfach und vertrauenswürdig. Es ist Open Source, hat ein paar Nachteile, ist sehr viel mit KI entwickelt worden. Und bei gewissen Leuten aus der Branche, die ihre berufliche Mailbox drangehängt haben, wurden auch schon Daten gelöscht, obwohl die KI das eigentlich nicht hätte tun sollen.

KI ist nicht perfekt, nicht für alle Sachen das richtige Werkzeug, und hält sich auch nicht immer an die Vorgaben, die man ihr macht. Von daher finde ich es grenzwertig. Ich habe das Gefühl, für viele von uns ist die traditionelle KI-Toollandschaft eigentlich ausreichend.

Wir reden ja vor allem von agentenbasierter KI, oder?

Genau. Ein Agent ist in dem Sinne eine KI, die sich einen Plan macht und ihn selbstständig umsetzt. Das ist etwas, das vor zwei Jahren noch nicht funktioniert hat, mittlerweile aber eigentlich Standard ist. Was man vielleicht schon mal gehört hat, ist zum Beispiel Cowork von Claude - also von Anthropic. Und Microsoft hat das entsprechend auch für die Copilot-Plattform lizenziert.

Wenn man das mal ausprobiert hat, sieht man: Das Ding macht einen Plan, hat Zwischenschritte, kann im Hintergrund Sub-Agenten erstellen und Aufgaben erledigen lassen, das Ergebnis zusammentragen und prüfen, ob man noch etwas anpassen muss. Es nutzt verschiedene Werkzeuge und auch Skills - also Fähigkeiten, die man mit Text beschreiben kann, gewisse Arbeitsprozesse. Damit ist es ein sehr gutes und wertvolles Hilfsmittel auch im Büroalltag. Ich denke, das wird unsere Arbeit in den nächsten Monaten stark verändern, weil es wirklich grössere Aufgaben übernehmen kann - nicht nur einen Prompt hinschicken und Ping-Pong machen. Wenn es Zugriff auf die Unternehmensdaten und die persönlichen Daten hat, kann man damit sehr viele Sachen automatisieren, die bisher nicht funktioniert haben.

Hast du einen konkreten Anwendungsfall, den du umgesetzt oder ausprobiert hast?

Alles, was repetitiv ist und wo die KI gut rankommt - alles, was mit Informationsverarbeitung zu tun hat. Ein anderes Thema sind webbasierte Applikationen: Kommt man dran oder nicht? Da braucht es einen Browserzugriff, den man kombinieren kann, sodass die KI im Browser gewisse Sachen aufrufen kann - wenn es keine Schnittstelle gibt, keinen MCP, also keine KI-Schnittstelle, wäre das eine Möglichkeit, gewisse Aktionen auszuführen.

Ein konkretes Beispiel bei mir: die ganze Meeting-Vor- und Nachbearbeitung. Dafür habe ich einen Skill gemacht, den ein Cowork für mich ausführt.

Was ist ein Skill?

Ein Skill ist schlussendlich eine Textdatei, in der auf Deutsch oder Englisch für die KI drinsteht, was sie tun soll - also nichts anderes als bisher, einfach ein sehr grosser, langer Prompt, in dem konkrete Schritte stehen und auch die Tools, die Fähigkeiten, die ich nutzen darf. Bei mir darf er zum Beispiel auf meinen SharePoint zugreifen, gewisse Daten auslesen, auf E-Mail und Kalender zugreifen. Das steht alles drin. Und das kann man dann wirklich mit einer mehrschrittigen Abfolge in so einen Skill reinpacken.

Man muss nicht auswendig überlegen, wie man ihn schreibt. Bei vielen KI-Tools gibt es jetzt auch die Möglichkeit, Skills automatisch erstellen zu lassen. Wenn man sagt "ich möchte einen Skill machen", fragt die KI nach. Das finde ich nur mittelmässig praktisch. Praktischer ist: Ihr macht die Aufgabe ganz normal mit KI, und am Schluss, wenn ihr zufrieden seid, sagt ihr "jetzt machen wir daraus einen Skill". Ihr lernt der KI also, wie ihr es macht, und lasst sie einen Skill daraus erstellen. Den Skill kann man dann im Unternehmen teilen und von der KI auch weiter verbessern lassen.

Wenn man auf OpenClaw zurückkommt: OpenClaw an sich ist eher eine Blackbox, die für sich Sachen macht, recht viele Tokens frisst und gewisse Berechtigungen braucht, sich aber auch selbstständig weiterentwickelt. Das ist so ein bisschen die Challenge, wo Cowork es vielleicht noch nicht so gut macht. Aber ich denke, in den nächsten ein bis zwei Jahren wird es eine Symbiose aus beiden geben: viel mehr KI läuft im Hintergrund, die mit Skills und Cowork-ähnlichen Funktionalitäten noch mächtiger die Sachen macht, die wir wollen - und die man auch besser kontrollieren kann.

Heisst das, wenn ich die Richtung richtig verstehe: OpenClaw im Unternehmenskontext einsetzen - schlechte Idee im Moment, oder gibt es bessere Alternativen?

Es braucht einfach viel mehr Händchenhalten, man muss es viel mehr im Griff haben, es ist noch sehr früh im Entwicklungsstadium. Nichts, was ich in einem Unternehmen mit 5000 Leuten für alle Mitarbeitenden ausrollen würde. Gut für ein paar, die es ausprobieren wollen oder die es im Griff haben. Aber ich würde nicht gerade alle Unternehmensdaten oder alle Kanäle damit verknüpfen.

Dazu habe ich noch eine spannende Geschichte, die ich kürzlich gelesen habe - was passieren kann, wenn die Kompetenzen nicht da sind: In einer Gesundheitsinstitution hat ein Arzt mit Vibe Coding, KI-basiert, ein neues Patientenverwaltungssystem geschrieben. Er hat keinen technischen Hintergrund. Er hat die gesamten Informationen aus dem bestehenden Patientenverwaltungssystem in das Tool geschrieben. Und das Tool hat tatsächlich alle Patientendaten in ein HTML-File geschrieben - alles in eine Datei - und das Ganze ins Web gestellt. Die entsprechenden Kompetenzen waren zu diesem Thema nicht vorhanden. Klar, du hast in kürzester Zeit ein neues Patienten-Management. Aber das sind besonders schützenswerte Personendaten.

Das ist die Gefahr, die ich bei diesen neuen Entwicklungen sehe: Du kannst mit diesen neuen Tools sehr einfach, ohne die entsprechenden Kompetenzen, sehr viel erreichen - aber auch sehr viel Schaden anrichten.

Genau. Man hat meistens kein Bewusstsein, ob es richtig oder falsch ist, ob es eher Junior- oder Expert-Niveau ist. Die Erfahrung, die bei der KI vielleicht vorhanden wäre, wird oft nicht abgerufen. Man ist als Mensch meistens zufrieden, wenn die KI ein gut aussehendes Ergebnis liefert, eine gute Präsentation, sich gut verkauft - aber ob es am Schluss wirklich richtig ist, kann man oft gar nicht mehr beurteilen, weil es zu komplex ist.

Was ich beim Thema KI für KMU auch spannend finde: Ich habe viele meiner Daten irgendwo drin - eine Fachapplikation, ein ERP, ein Dokumentenmanagementsystem, die Buchhaltungssoftware, mein CRM. Da steckt viel Geschäftslogik drin. Brauche ich jetzt KI in der Applikation selbst, oder brauche ich sie ausserhalb? Das ist auch etwas, wo OpenClaw vielleicht weniger helfen würde - ich weiss nicht, ob man das einfach integrieren kann und ob man dann genug Einblick und Kontrolle hat.

Da ist meine Haltung: Wenn du als Softwareentwickler ein DMS machst, dann schau, dass du KI hineinbringst, aber gut machst, was die Applikation kann. Was applikationsspezifisch ist, würde ich erst mal in der Applikation mit KI lösen. Und wenn es da keine Lösung gibt, schauen, ob man es ausserhalb lösen kann. Wenn man verschiedene Datenquellen zusammenbringen will - ein ERP-System mit den Aufträgen, das CRM mit den Kunden - kann man das natürlich auch mit KI verknüpfen und Prozessautomatisierung, zum Beispiel mit Skills, machen. Da wird es dann spannend.

Wenn wir beim Thema bleiben: Ich weiss nicht, wie euer Unternehmen aussieht. Schaut ihr überhaupt, welche Tools genutzt werden? Habt ihr ein Tool, das alle nutzen dürfen oder müssen? Dürfen sie selbst entscheiden? OpenClaw ist sicher ein sehr exotisches Tier unter den typischen KI-Tools. Aus Unternehmenssicht, gerade mit Blick auf Informationssicherheit: Schaut wirklich, was die Leute einsetzen, macht klare Vorgaben. Man muss einschätzen können, wie sicher das Zeug ist. Gerade OpenClaw oder andere Open-Source-Tools - manche sind schon reifer, andere eher experimentell. Alles Experimentelle muss man ganz klar überwachen: wo man es einsetzt, für welche Anwendungsfälle, welche Tool-Zugriffe es bekommt, damit nicht aus Versehen etwas falsch läuft.

Wie sensibilisieren wir die Leute? Das Szenario, das oft vorkommt: Die IT ist zu langsam oder zu wenig dynamisch bei den Adaptionen. Früher war das Shadow IT - jemand hat mit der Geschäftskreditkarte eine Cloud-Lösung abonniert, zack. Heute ist es: Kreditkarte gezogen, KI abonniert, auf dem Rechner installiert, los geht's. Von Shadow IT zu Shadow KI. Hast du Ideen, wie man das im Unternehmen so angeht, dass es kanalisiert ist und wir nicht zu viel Shadow KI haben?

Das ist super wichtig. Und heute ist es noch einfacher: Die meisten KI-Anbieter haben irgendein Gratis-Abo, das man nutzen kann, wo aber gewisse Daten am Schluss rauskommen - und das auf den ersten Blick ganz gut funktioniert. Da muss man genau hinschauen, was mit den Daten passiert. Für mich ist es ein klares No-Go, im Unternehmenskontext gratis, private Abos zu nutzen. Klar kann man sagen "anonymisiert die Daten" oder "ladet keine Unternehmensdaten hoch" - aber die Realität ist: Am Anfang machen es die Leute vielleicht noch, irgendwann nicht mehr.

Für mich ist die ganz klare Empfehlung: Es gibt einfach ein Tool, das die Leute nutzen dürfen. Ein Unternehmens-Standard-Tool, kommerziell lizenziert - also nicht mit der Privatlizenz, sondern mit der Unternehmenslizenz. Die ist meistens etwas teurer, aber genau da sind Datennutzung und Privatsphäre limitiert. Das kann man klar kontrollieren. Und dann: die Schulung der Mitarbeitenden. Und eine klare Richtlinie: Wie darf man es einsetzen, was darf rein, was nicht. Und schauen, dass man ein Tool beschafft, das möglichst nah am Unternehmen dran ist. Wer im Microsoft-Universum unterwegs ist: Copilot ist bei vielen Lizenzen sogar in einer einfachen Version gratis dabei und für die meisten Sachen ausreichend. Wichtig ist, dass es möglichst einfach für die Leute ist, dass sie es verstehen und entsprechend geschult werden.

Also: Erstens Regeln aufstellen, zweitens - ganz wichtig - Tools zur Verfügung stellen, drittens die Leute schulen, wie man die Tools einsetzt.

Genau. Und überlegen, wie reif die Tools sind und wer was nutzen darf. OpenClaw: sicher mal lustig zum Ausprobieren, für einen Experten, der weiss, was er tut. Aber bitte nicht mit besonders schützenswerten Personendaten wie Gesundheitsdaten kombinieren. Es muss wirklich bewusst sein, was das Tool kann, wofür es gut ist und wofür nicht.

Thema OpenClaw: sicher eine coole Entwicklung, und es wird sich in diese Richtung weiterentwickeln. Aber für den klassischen Unternehmenseinsatz ist es noch viel zu früh, um es in die Breite auszurollen. Und "viel zu früh" heisst im KI-Kontext - die Dynamik ist hoch - vielleicht, dass es bald produktiv ist. Eher noch kürzer.

Stimmt. Hey, cool - die Zeit ist schon um. Spannende Folge. Danke, Dani. Bis bald - vielleicht mit OpenClaw oder etwas anderem. Danke, Tobias. Ciao.